Es gibt diese Momente, in denen man an seinem Aufgabenbereich, Unternehmen, seiner Organisation verzweifeln kann. Wo ist er geblieben, der Pioniergeist, der Aufbruch, das Unbürokratische, der Zauber des Neuanfangs? Stattdessen häufen sich administrative Vorgaben und Regelprozesse, es lauern Eitelkeiten und Machtspielchen.

Irgendwo zwischen Dienstwagen (darf‘s ein Extra mehr sein?), Assistenz, Kaffeeservice und dreimal in der Woche Dinner de Luxe ist etwas verloren gegangen. Mit dem Erfolg kam das Wachstum, mit dem Wachstum die Arbeitsteilung, mit der Arbeitsteilung die Politik und mit der Politik die Langsamkeit. Und eigentlich weiß keiner mehr so genau, wer der Bürokratie irgendwann die Pforten geöffnet hat. Vorne Ku’damm, hinten Wannsee funktioniert eben nicht.

Der Reifeprozess in Unternehmen

Allerdings ist dieser Reifeprozess von Firmen so normal und weit verbreitet, dass er mittlerweile zum BWL Grundwissen gehört.

Quelle / frei nach: Dynamische Unternehmensentwicklung / Friedrich Glasl, Bernhard Lievegoed, 3. überarb. Auflage

Die Pionierphase

Die erste Pionierphase ist oft verbunden mit dem Gründer- oder Aufbruchmythos, diesem „start up feeling“, mit dem scheinbar alles gelingt. Ideen werden sorglos geboren, eine hands-on Mentalität verbindet alle, es wird unglaublich viel in sehr kurzer Zeit erreicht und Hierarchien sind nur hinderlich. Das Selbstbild wird klar durch Abgrenzung definiert („So werden wir nie…!“).
Später ist das oft der Sehnsuchtspunkt.

Die Integrationsphase

In der Integrationsphase trifft die Unternehmen und ihre Verantwortlichen in aller Regel der Wunsch nach Sicherheit und Privilegien. Zu diesem Zeitpunkt steigt der Druck: Die Kunden erwarten, dass das Markenversprechen gehalten wird, Shareholder/Investoren möchten Ertrag sehen, die Mitarbeiter auch ein Stück vom Kuchen haben, die Prozesse fordern Zeit und die Verwaltung Nerven.

Hier zeigt sich, welche Versprechen alltagstauglich sind und wie die eigene Positionierung zwischen den Polen „Start-Up“ und „Konzern“ funktioniert. Ein Balanceakt. In dieser Phase sind Unternehmen besonders angreifbar, denn irgendwo lauert immer ein jüngeres Unternehmen, das schneller und fokussierter unterwegs ist.

Ab hier: Die Organisation entwickeln

Jetzt ist die große Stunde der Organisationsentwicklung gekommen, denn eine klug aufgestellte, maßgeschneiderte Organisation kann viel bewirken.
Wenn Ihr Unternehmen sehr stark vom Wissen der Mitarbeiter abhängt, ist es beispielsweise sinnvoll, neben Führungskarrieren auch Fachkarrieren zu organisieren. Wenn es bei Ihnen auf Geschwindigkeit ankommt, braucht Ihre Organisation so viele Projektstrukturen wie möglich. Interessant ist auch die Frage, welche Bereiche zu diesem Zeitpunkt wirklich zum Kerngeschäft gehört. Und last but not least, ob alle Bereiche des Kerngeschäfts inhouse bedient werden, oder ob Kooperationen oder Netzwerke denkbar sind.

Die gute alte Pionierphase kommt nicht zurück. Aber wichtige Teile davon können mitgenommen werden, wenn es gut gemacht wird.

Bleibt noch die Frage, wo man anfängt.
Vielleicht bei uns, der Kaffee geht aufs Haus.